In-Ears: Hauptsache, nicht zu teuer

Freunden rate ich immer, für In-Ear-Kopfhörer nicht mehr als 40 Euro auszugeben. (Selbst habe ich mich nicht daran gehalten, dazu später mehr.) Die Hauptkriterien für meine Auswahl sind:

  • leichte Hörer mit sicherem Sitz in den Ohren (damit sie nicht rausfallen)
  • Bluetooth (weil ich mich zu häufig in Kabeln verheddere)
  • gute Versiegelung nach außen (möglichst wenig Windgeräusche)
  • unkompliziert zu transportieren (am besten mit eigener Tasche)
  • ordentlicher Bass (nicht zu wummernd oder diffus)
  • bequem zu bedienen (auch im Winter mit Handschuhen)
  • Mikrofon (um damit unterwegs zu telefonieren)

Mit der Regel „leichte Hörer“ fallen alle Ohrhörer heraus, bei denen die Akkus direkt im Hörer sitzen — also auch die aktuell modernen komplett schnurlosen Stöpsel. Der Akku hat gefälligst in der Steuereinheit mit dem Mikrofon zu sitzen.

Ein Kriterium steht bewusst nicht in der Liste: „robust“. Das liegt daran, weil meiner Erfahrung nach auch die robustesten In-Ears irgendwann futsch gehen. Und deshalb gebe ich stets den Ratschlag, für In-Ears maximal 40 Euro auszugeben.

Egal, wie sehr ich aufpasse: Irgendwie sind mir bisher alle In-Ears kaputtgegangen. Ein Paar wurde im Rucksack zerdrückt, bei einem anderen trennte eine gut schließende Tür das Kabel. Bei einem Paar riss das Kabel aus dem Ohrhörer, bei zwei Modellen zerfiel der Hörer in zwei Teile und die Elektronik purzelte heraus. Das ist immer wieder sehr, sehr ärgerlich, und je teurer die Dinger waren, desto verärgerter wurde ich.

Und es liegt definitiv nicht nur an mir: Einem Freund habe ich bisher zwei In-Ears überlassen, die mir nach längerer Testphase doch nicht gefallen haben. Die einen sind auseinandergebrochen, die anderen den Speichen seines Rads zum Opfer gefallen.

Die meisten meiner In-Ears haben deshalb 15 bis 30 Euro gekostet. Für diesen Preis wird inzwischen erstaunlich guter Klang geboten, sofern man sich mit chinesischen Pseudo-Markennamen wie „Mpow“ und „SoundPeats“ anfreunden kann.

Kurze Kaufhilfe für Amazon-Klicker:

  • Die Kombination aus „Verifizierter Kauf“ und einem Produktfoto bedeutet oft, dass der Hersteller seine Kunden für eine positive Bewertung bestochen hat.
  • Die Kundenrezensionen sollte man immer nach „Neueste zuerst“ sortieren, um sich nicht von bezahlten Lobhudeleien blenden zu lassen.
  • English language reviews on Amazon.de are usually astroturf, i.e. spam.
  • Wenn sich in den Kundenrezensionen Formulierungen wie „fallen aus dem Ohr“ oder „hielt keine Woche“ häufen, das Produkt meiden. Wohlgemerkt: Ein, zwei unzufriedene Kunden mosern immer, aber wenn es ein halbes Dutzend wird, warnen sie womöglich zu Recht.

Für meinen Alltag reichen In-Ears bis 30 Euro fast immer. Ich benutze In-Ears vor allem unterwegs, da geht leichtes Grundrauschen im Umgebungslärm unter. Eine superpräzise Klangwiedergabe ist auch nicht nötig, wenn es darum geht, sich in der Straßenbahn vom zwei Mütter weiter sitzenden quengelnden Kleinkind abzulenken oder beim Telefonat prüfend in den Kalender blicken zu können.

Und jetzt mein Geständnis: Vor einigen Monaten habe ich ein Paar viel zu teurer Ohrhörer gekauft und bringe es nicht immer noch nicht übers Herz, es zu bereuen. Es sind die Momentum In-Ear Wireless von Sennheiser.

Auf den ersten Blick ist an denen alles verkehrt: Bügel um den Hals, Mikrofon am Kragen, klobige Transporttasche, Preis um die 145 Euro. Aber (a) sind die Ohrhörer so klein und leicht, dass sie meinen blöd gebauten Gehörgängen nie unangenehm werden und (b) sie klingen wunderschön. Ich konnte nicht widerstehen.

So stehe ich jetzt immer wieder vor der selben blöden Entscheidung: mitnehmen und aufpassen, oder daheimlassen und zu den billigen In-Ears greifen, die direkt daneben liegen? Kopf oder Zahl.

Bonus: Der professionellen Ansicht meines HNO-Arzts sind meine Ohren für In-Ears grundsätzlich ungeeignet. Ich besuche den guten Mann alle drei Monate, damit er meine Gehörgänge entschmoddert. Große Ohren, aber sich schnell verengende Gehörgänge: Das ist keine tolle Kombination.
Einmal bahnte sich nach einem Friseurtermin ein abgeschnittenes Haar durch die Tiefen des Gehörgangs den Weg zum Trommelfell: Bei manchen Kopfbewegungen hörte ich ein sehr lautes, seltsames Geräusch, als ob jemand am Cello mit dem Bogen ausgerutscht wäre. Das war das Haar, das mein Trommelfell stupste. So was käme sehr selten vor, meinte mein Arzt, was mich überhaupt nicht beruhigte. Womöglich hatten meine In-Ears das Haar in den Gehörgang gepresst.