Douglas Adams und der Mueller-Bericht

Robert Muellers Bericht zur Beantwortung der ultimativen Frage ist raus: Die Frage danach, ob sich Donald Trump mit den Russen verschworen hat. Aus dem, was er gelesen hat, zieht der Oberstaatsanwalt die Schlussfolgerung, dass sich Donald Trump nicht vorsätzlich mit der russischen Regierung verschworen hat. (Riesenüberraschung.)

Zwei Jahre lang haben sich Tausende von Journalisten die Finger wund darüber geschrieben, was Mueller und seine wackeren Recken alles herausfinden könnten über den US-Präsidenten. Spekulationen und wackelige Gerüchte türmten sich aufeinander wie ein Jenga-Turm. Und jetzt … Fakten. Feststehende Tatsachen.

Die ultimative Frage

Ich sitze da, lese die brandaktuelle Berichterstattung vom Sonntagabend und meine Gedanken schweifen ab zu Douglas Adams. In dessen Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ konstruiert eine außerirdische Rasse einen riesigen Rechner, um die ultimative Frage zu beantworten. Die Frage nach dem Sinn des Lebens, des Universums, schlicht: die Antwort auf alles.

Bevor der „Deep Thought“ getaufte Computer zu Wort kommen kann, stürmen zwei Philosophen in den Raum, Magikweis und Vrumfondel, um genau das zu verhindern.

 Vrumfondel nahm sich kaum Zeit Atem zu holen und schrie: »Wir fordern keine feststehenden Tatsachen! Was wir fordern, ist das totale Fehlen feststehender Tatsachen. […]«

Die Philosophen befürchten, dass die Antwort des Rechners sie arbeitslos machen werde:

» […] nach dem Gesetz ist die Suche nach der Letzten Wahrheit ganz eindeutig das unveräußerliche Recht eurer Berufsdenker. […] was haben wir dann davon, dass wir uns halbe Nächte mit der Frage um die Ohren schlagen, ob’s nun einen Gott gibt oder nicht, wenn diese Maschine euch am nächsten Morgen einfach seine verdammte Telefonnummer ausspuckt?«

 Fakten schaffen Arbeitslosigkeit

Der Riesenrechner beruhigt die Philosophen schließlich damit, dass er für seine Antwort noch ein Weilchen brauchen werde, genauer: siebeneinhalb Millionen Jahre. Diese Zeit der Ungewissheit verkauft der Computer den Philosophen sehr geschickt:

 » […] mir scheint, dass ein Programm wie dieses zwangsläufig ein enormes öffentliches Interesse an der ganzen Philosophie hervorrufen muss. Jedermann wird seine eigene Theorie darüber anstellen, mit welcher Antwort ich schließlich anrücken werde, und wer könnte aus diesem Rummel wohl besser Kapital schlagen als ihr selbst? Solange ihr euch nur heftig genug gegenseitig in den Haaren liegt und in der Presse runtermacht, und solange ihr Nachbeter habt, die ein bisschen clever sind, habt ihr doch für eure Zukunft ausgesorgt. Na, wie hört sich das an?«

Das sehen die Philosophen sofort ein. Sie verlassen die Halle des Rechners, „spazierten zur Tür hinaus und geradewegs in einen Lebensstil hinein, der ihre kühnsten Träume überstieg.“

Der angewandte Anhalter

Jetzt ist die Untersuchung also beendet und der Mueller-Bericht wird veröffentlicht. Dabei frage ich mich, ob Mueller nicht vor zwei Jahren schon leise vor erlesenen Journalisten angemerkt haben könnte, dass es sehr schwer fallen werde, eine direkte russische Einflussnahme auf den US-Präsidenten nachzuweisen, wenn gar nicht unmöglich.

Und dann hat ihn womöglich irgendjemand gefragt, ob er sich mit dem Entdecken dieser Antwort bitte etwas Zeit lassen könne. Vielleicht nicht gerade siebeneinhalb Millionen Jahre, aber vielleicht eine Million Minuten. Während derer die Presse ihre Spalten mit Spekulationen und Meinungen füllen kann.

Jetz wirds erst mal mühsam: Zuerst müssen sich die Journalisten durch den Teil des Berichts durchwühlen, den das Justizministerium rausgibt. Dann wird das Thema noch ein paar Wochen lang breitgeklopft – nicht unmöglich, dass dabei noch ein paar Skandälchen hochkochen.

Aber dann ist irgendwann Ruhe mit dieser Geschichte und die Presse wird ein neues Thema brauchen, um Spalten zu füllen. Leider leben wir in einer Welt, in der das sehr leichtfallen wird. Ich lese derweil noch einmal „Per Anhalter durch die Galaxis“. Welch ein Zufall, dass das Buch im kommenden Oktober 40 Jahre alt wird.

Um meine Position zu verdeutlichen: Nein, ich bin kein Fan des aktuellen US-Präsidenten (Stand März 2019). Aber ich konnte mir nie vorstellen, dass er so etwas absichtlich durchzieht. Dass er sich die unerwartete Schützenhilfe aus Russland passiv zunutze gemacht hat, schon eher. Aber das ist dann Opportunismus und keine Verschwörung.

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