Eindrücke

Vom Pfau beschissen

Vom Pfau beschissen

Die folgende Geschichte ist wahr. Sie handelt von Fahrradsatteln und Vögeln und Journalismus und sie enthält Kraftausdrücke.

Vor einigen Wochen, als der Zoo Corona-bedingt noch zu war, fuhr ich mit dem Rad durch den anliegenden Stadtwald und hätte um ein Haar einen Pfau überfahren. Der Freiläufer stolzierte rotzfrech über den Radweg und kümmerte sich einen Dreck darum, dass ich beinahe in einen Baum gestrampelt wäre, um ihm auszuweichen.

Ich stieg ab, rief beim Zoo an, um den Ausreißer zu melden, und bekam nur den Automaten ans Ohr: „Aufgrund der Corona-Pandemie ist der Erlebniszoo Hannover leider, leider geschlossen. Sie erreichen uns über unsere Social-Media-Kanäle …“

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von Gerald Himmelein in Erlebtes

Eine sehr gute Frage …

Im Studium hatten wir einen Professor, dessen Namen ich jetzt mal nicht nennen will. Er war sehr freundlich und zuvorkommend und sozial. Er hatte aber auch eine faszinierende Marotte.

Wenn ein*e Student*in im Seminar eine Frage stellte, auf die er keine Antwort hatte, antwortete er unweigerlich mit den Worten:

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von Gerald Himmelein in Erlebtes
Varianten eines Themas

Varianten eines Themas

Wenn Twitter nicht gerade Schlagzeilen macht, kann es ein wunderschöner Quell für kollaborativen Humor sein. Etwa hier, wo ein Witz in zwei Pointen endet. Erst das Original:

Jetzt das Ganze nochmal, aber anders:

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von Gerald Himmelein in Gesehenes
Der höfliche Bettler

Der höfliche Bettler

Er kommt mit einem leichten Zögern auf mich zu, als sei es ihm peinlich, mich anzusprechen. Mit minimal gesenktem Kopf, aber aktiv Augenkontakt suchend, spricht er mich an.

„Entschuldigen Sie bitte, aber hätten Sie vielleicht einen Euro für einen Kaffee für mich übrig?“

Ein formvollendeter Vortrag. Seine Augen bittend, seine offene Hand leicht in meine Richtung zeigend, ohne fordernd zu wirken. Er trägt einen abgetragenen Anorak, einen etwas zerzupften Bart, ist vermutlich um die Anfang Sechzig, aber vielleicht auch erst Mitte Vierzig. Schwer zu sagen, Leute mit stark bewegtem Lebenswandel sehen früh verlebt aus.

Ich weiß nicht, was ich antworten soll.

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von Gerald Himmelein in Eindrücke, Erlebtes
Zehn Schritte vor dem MRT

Zehn Schritte vor dem MRT

(Fast passiert.)

Vor der MRT-Maschine stellt die medizinische Fachangestellte die letzten Sicherheitsfragen.

Habe ich Metall im Körper? Nein.

Bin ich Diabetiker? Nein.

Habe ich hohen Blutdruck? Nein.

„Haben Sie MS?“

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von Gerald Himmelein in Nicht erlebtes

Große Probleme

Ein guter Freund ist eher hochgewachsen. Hinzu kommt eine imposante Breite – ein Nachtclub würde ihn ohne weitere Fragen als Türsteher einstellen. Er ist an einer Stelle im Leben angelangt, in dem ihm Witze über sein Format etwas auf die Nerven gehen („Wie ist die Luft da oben“ u.ä.).

Neulich schreibt er mir als Textnachricht:

Hab heute im Supermarkt eine kleinwüchsige Frau gebeten, mir etwas aus dem untersten Fach rauszugeben. War auch wieder nicht okay …

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von Gerald Himmelein in Erlebtes
Öffnungszeiten

Öffnungszeiten

So nicht ganz passiert.

Ich stehe vor einem geschlossenen Geschäft und tue, was man vor geschlossenen Geschäften so tut: die Tabelle mit den Öffnungszeiten studieren und versuchen, sie mir zu merken. Zu mir gesellt sich ein noch älterer Herr.

Er schnaubt: „Warum haben die denn so selten offen?“

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von Gerald Himmelein in Nicht erlebtes
Die große DHL-Schnitzeljagd

Die große DHL-Schnitzeljagd

Neulich lag ein Abholzettel von DHL in meinem Briefkasten, demzufolge ich mein Päckchen in einer vier Kilometer entfernten Filiale abholen durfte.

Bei Lieferungen an die nächstgelegene Packstation habe ich mich schon daran gewöhnt, dass die Sendungen gelegentlich in DHL-Shops verschleppt werden – etwa, weil die Packstation defekt war oder voll. Gelegentlich landeten sie auch in einer anderen Packstation, die dann zwei Kilometer entfernt war. Dass eine an die Wohnadresse gerichtete Sendung in einer vier Kilometer entfernte Postfiliale landete … das war neu.

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von Gerald Himmelein in Eindrücke, Erlebtes

Moralphilosophische Diskussionen mit dem 1&1-Support

Am Donnerstag war plötzlich, von einer Minute auf die andere, daheim das Internet weg.

Da das nicht zum ersten Mal passierte, bin ich der Reihe nach die üblichen Verdächtigen durchgegangen. Zuerst habe ich nachgesehen, ob der Hund das Kabel aus der TAE-Dose gezerrt hat. Dabei fiel mir ein, dass wir immer noch keinen Hund haben. Dann habe ich den Router neu gestartet und gewartet, bis die Leuchten nicht mehr blinkten.

Als Nächstes habe ich die Administrationsoberfläche des Routers geöffnet, die mir mitteilte, dass ich kein Internet habe.

Sowas aber auch.

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von Gerald Himmelein in Computerei, Eindrücke, Erlebtes

Der Behindertenparkplatz

Beinahe passiert:

Am Parkplatz des Supermarkts sehe ich einen kräftigen Herren, der mit seinem SUV auf dem Behindertenparkplatz steht und Bierkästen in den Kofferraum hievt.

„So behindert sehen Sie gar nicht aus“, sage ich zu ihm, während mein Auto sich aufschließt.

Wortlos klatscht der Mann seinen Kofferraum zu. Darauf prangt groß ein Aufkleber mit der Aufschrift „Freiheit für Beate Zschäpe“.

Ich, hochrot: „Hiermit entschuldige ich mich in aller Form für meinen Irrtum.“

von Gerald Himmelein in Nicht erlebtes