wahre geschichte

Der höfliche Bettler

Der höfliche Bettler

Er kommt mit einem leichten Zögern auf mich zu, als sei es ihm peinlich, mich anzusprechen. Mit minimal gesenktem Kopf, aber aktiv Augenkontakt suchend, spricht er mich an.

„Entschuldigen Sie bitte, aber hätten Sie vielleicht einen Euro für einen Kaffee für mich übrig?“

Ein formvollendeter Vortrag. Seine Augen bittend, seine offene Hand leicht in meine Richtung zeigend, ohne fordernd zu wirken. Er trägt einen abgetragenen Anorak, einen etwas zerzupften Bart, ist vermutlich um die Anfang Sechzig, aber vielleicht auch erst Mitte Vierzig. Schwer zu sagen, Leute mit stark bewegtem Lebenswandel sehen früh verlebt aus.

Ich weiß nicht, was ich antworten soll.

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von Gerald Himmelein in Eindrücke, Erlebtes

Von der Lampe unerhört

Ich bin bei einem Freund zu Besuch. Wir wollen einen Film sehen, aus der Konserve. Der Film ist spannend, aber das Licht der großen Stehlampe neben dem Sofa reflektiert störend auf dem Fernsehbildschirm. Ich frage, ob man die Lampe vielleicht abschalten könne.

Er hebt die Stimme: „Alexa, schalte die große Stehlampe aus.“ Die Lampe bleibt an. Er blickt mich entschuldigend an: „Es ist wohl zu laut im Raum.“ Der Film läuft derweil weiter. Ich schlage vor, den Film zu pausieren.

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von Gerald Himmelein in Eindrücke, Erlebtes