Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung hat Wolfgang Schäuble geseufzt, es sei doch echt schlimm, dass zunächst nicht genügend Impfstoff für alle da ist.

Er halte es für richtig, dass Deutschland sich gegenüber der Rest-EU nicht vorgedrängt hat. „Die Krise überwinden wir nur mit Solidarität, in Europa und auch darüber hinaus“ , soll er gesagt haben. (Der komplette Artikel liegt mir leider nicht vor, Paywall.)

Ebenso schöne wie leere Worte. Übervorteilt ist Deutschland natürlich trotzdem. Schließlich hat sich die EU als Ganzes ganz viel Impfstoff gesichert, wie auch der Rest der Industrienationen. Für den Rest der Welt bleibt kaum etwas übrig.

Vor ein paar Tagen fiel mir eine Zeichnung in die Hand, die ich vor vier Jahren dahingeschludert habe. Kein origineller Gedanke, aber leider ewig aktuell:

"Wir sind schon zwei arme Schweine, ne?"

Der Anlass war damals ein anderer, aber ich könnte die Zeichnung in Windeseile so anpassen, dass vor dem reichen Schwein lauter Impfstoffampullen liegen und vor dem anderen, nun … gar nichts.

Andrea Böhm bringt es für Die Zeit auf den Punkt: „Reiche Länder teilen seit Monaten den größten Teil der Vakzinen unter sich auf. Regierungen wohlhabender Staaten, die 14 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren, haben sich schon jetzt über die Hälfte aller Impfstoffdosen gesichert“ . Und: „Die ärmeren und armen Staaten, darunter die afrikanischen, beißen die Hunde“ .

Kein Indiz zu sehen, dass jemand dagegensteuert. Beim Sterben will jeder der Letzte sein. Wie sollte es irgendeine Regierung schaffen, ihrer Bevölkerung zu verkaufen: „Ihr werdet später geimpft, erstmal sind die Armen in Afrika dran“? Geht nicht. Länder wie Brasilien waren nur für Feldversuche der medikamentösen Heilsbringer gut genug.

So wird es bis auf weiteres bei Lippenbekenntnissen bleiben. Globale Solidarität bleibt eine wohlklingende Floskel, ein Spruch von der Kanzel. Die Realität bleibt so ungerecht, wie sie nun mal ist.

Und bevor jemand fragt: Wenn mir einer die Spritze hinhält mit der Frage „Wollen Sie geimpft werden oder soll die Dosis an einen gefährdeten Mediziner im Sudan gehen?“, werde ich schweigend den Arm hinhalten. Schweigend, weil ich mich schäme. Hinhalten, weil ich trotzdem leben will.

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